Bundespolitik
Zu den aktuellen Entwicklungen in Ägypten erklärt der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, Martin Schulz, im SPD-Präsidium zuständig für Außenpolitik:
Ich bewundere den Mut, mit dem die Demonstranten in Ägypten für Freiheit, Demokratie und Wohlstand eintreten. Ich warne die ägyptischen Sicherheitsbehörden nachdrücklich vor der Anwendung von Gewalt gegen die Demonstranten.
Auch wenn derzeit kaum absehbar ist, wie die Entwicklung in den nächsten Tagen in Kairo weitergehen wird, darf man diesen arabischen Frühling nicht auf eine mögliche Stärkung des Islamismus reduzieren. Damit würde man denjenigen nicht gerecht werden, die unter hohem persönlichem Risiko für ihre Freiheit kämpfen. Deshalb stellt sich die SPD hinter die Forderungen der Demonstranten.
Zu den Plänen für einen "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit" der Bundeskanzlerin auf EU-Ebene erklärt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Axel Schäfer:
Jahrelang hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen Forderungen nach verstärkter Koordinierung der Wirtschaftspolitik in der Eurozone gestellt. Jetzt legt sie einen fertig ausgearbeiteten Vorschlag für eine europäische Wirtschaftsregierung vor. Das Papier soll offenbar bereits beim Europäischen Rat am 4. Februar 2011 den Staats- und Regierungschefs vorgestellt und Ende März beraten werden. Sogar von einem Sondergipfel in den kommenden Wochen ist die Rede, um den "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit" zu verabschieden, damit er binnen 12 Monaten in den 17 Euro-Staaten umgesetzt werden kann.
Frau Merkel plant nicht weniger als Angleichungen in den Bereichen Rente, Steuern, Bildung und Haushaltspolitik - doch von demokratischer Legitimierung kein Wort. Kein Parlamentsgremium wurde bisher informiert, keine Regierungserklärung in Aussicht gestellt. Damit verstößt die Bundeskanzlerin gegen Geist und Buchstabe des EU-Vertrages von Lissabon und der deutschen Begleitgesetze: Vorhaben dieser Art müssen einen parlamentarischen Vorlauf haben, weil sie auch der parlamentarischen Beschlussfassung bedürfen.
Anlässlich der Debatte zur Einführung einer Frauenquote erklärt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Dagmar Ziegler:
Der Ruf nach gesetzlichen Frauenquoten wird seit Monaten in ganz Deutschland immer lauter. Jetzt haben ihn endlich auch die zuständigen CDU-Ministerinnen von der Leyen und Schröder vernommen. Plötzlich und im Widerspruch zu ihrer bisherigen Position reihen sie sich bei den Quotenbefürworterinnen und Quotenbefürwortern ein.
Das wäre begrüßenswert, sofern ihre Forderung nach einer Frauenquote mehr ist als ein bloßes Lippenbekenntnis. Von der Leyen und Schröder sollten deshalb jetzt schnell einen konkreten und belastbaren Vorschlag auf den Tisch legen. Damit könnten sie den Vorwurf des Populismus entkräften.
Die SPD-Verhandlungsführerin bei der Hartz-IV-Reform, Manuela Schwesig, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, im Streit um Bezahlung von Leiharbeitern persönlich zu vermitteln. „Schwarz-Gelb muss endlich einen gemeinsamen und realistischen Vorschlag auf den Tisch legen. Hier ist die Kanzlerin gefragt“, sagte Schwesig der „Bild am Sonntag“.
Es sei nun an Merkel, „die Unordnung in ihren Reihen zu klären, weil es (Arbeitsministerin Ursula) von der Leyen bisher nicht geschafft hat“, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende weiter. Die Verhandlungen seien „so schwierig, weil die Bundesregierung selbst nicht weiß, was sie will“.
„Wir kämpfen bis zur letzten Minute“
Schwesig bekräftigte die Forderung der SPD, dass Leiharbeiter schon nach einem Monat den selben Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten sollen: „Mehr als vier Wochen helfen den meisten Arbeitnehmern nicht. Für uns sind auch sechs Monate nicht akzeptabel, weil die Mehrheit der Leiharbeiter kürzer in einem Betrieb ist.“
Anlässlich der Äußerungen von Bundesfrauenministerin Schröder zur Einführung einer flexiblen Frauenquote erklären die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Caren Marks und die Sprecherin der Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik Christel Humme:
Es ist mehr als befremdlich, dass Bundesfrauenministerin Schröder am vergangenen Mittwoch im zuständigen Bundestagsausschuss ihren Stufenplan zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen nicht vorgestellt hat. Stattdessen erfahren wir nur zwei Tage später aus der Presse ihre Idee einer flexiblen Quote als Kern ihres Stufenplans. Waren es kritische Fragen und die Diskussion mit den Fachpolitikerinnen und -politikern, die sie fürchtete?
Zu den heutigen Vorschlägen der Bundesministerin Kristina Schröder für eine „Pflicht zur Selbstverpflichtung“ und eine „Flexiquote“ für Frauen in Führungspositionen erklärt die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Elke Ferner:
Kristina Schröders Naivität ist kaum zu überbieten. Ihr Vorschlag für eine sogenannte Flexiquote ist kein Mittel zur Frauenförderung, sondern eine Beruhigungspille für die deutschen Unternehmen. Die können bei ihrer bisherigen Blockadehaltung bleiben oder sich ein paar Alibi-Frauen zulegen, damit sie nicht ganz so ignorant da stehen.
Anstatt der jungen, gut ausgebildeten Frauengeneration den Weg nach oben zu ebnen, überlässt Frau Schröder es den Männerseilschaften, selbst zu entscheiden, ob und wie viele Frauen in die Führungspositionen hinein dürfen. Bei 30 Prozent soll dann ohnehin Schluss sein mit der Verpflichtung.
Der Parteivorstand der SPD hat am 11. Januar 2011 einstimmig einen Beschluss zu Afghanistan gefasst. Er beinhaltet eine ausführliche Bilanz und sieht als oberstes Ziel vor, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan bis 2014 zu einem guten Ende zu führen.
Die Bundesregierung hat am 21. Januar ihren Antrag über die Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan in den Deutschen Bundestag eingebracht.
Der Antrag der Bundesregierung enthält die Steigerung der Anstrengungen für den zivilen Wiederaufbau und Verdopplung der entsprechenden Haushaltsmittel. Außerdem stellt er eine mögliche Truppenreduzierung ab 2011 in Aussicht und sieht den vollständigen Abzug der Bundeswehr bis 2014 vor. Damit sind viele Forderungen der SPD-Bundestagsfraktion aus dem Jahr 2010 umgesetzt.
Der Deutsche Bundestag hat am 28. Januar 2011 erneut über die Verlängerung des ISAF-Mandates über ein Jahr abgestimmt. Ich habe der Verlängerung des Mandates zugestimmt und hierzu eine persönliche Erklärung im Bundestag abgegeben.
Antrag der Bundesregierung zu ISAF
Nach Ansicht des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel würde ein abrupter Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan die Chance des Landes auf eine friedliche Zukunft gefährden. Ein weiterer Einsatz in Afghanistan sei erforderlich. In der Debatte zur Mandatsverlängerung des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch forderte er am Freitag allerdings, dass mit dem Abzug der ersten deutschen Soldaten schon in diesem Jahr begonnen werden solle.
„Wer 2011 nicht anfängt, der wird auch 2014 noch da sein“, erklärte Gabriel im Bundestag. „Wir jedenfalls stimmen heute der Mandatsverlängerung mit großer Mehrheit zu, weil wir den Strategiewechsel in Afghanistan für richtig und erfolgversprechend halten und nicht, weil wir etwa die regierungsinternen Kompromissformulierungen im Mandatstext richtig fänden“, fügte er hinzu.