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Politik mit Herz

"Wohnen im Park" ermöglicht psychisch erkrankten Menschen Leben in Gemeinschaft

Veröffentlicht am 28.04.2010 in Presse

MT-Foto: Langenkämper

15 Wohnheimplätze rasch belegt

Minden (mt). Im Herzen der Stadt gibt es eine neue Wohnstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Gestern eröffnete der Trägerverein Club 74 das Haus "Wohnen im Park" auf dem Gelände der Begegnungsstätte "Prinz Friedrich"in der Johansenstraße offiziell.

Offizielle Einweihung: Architekt Andreas Steinmeier, der die Utluchten als aus der Weserrenaissance bekanntes regionaltypisches Element in seinen Entwurf übernommen hatte, übergab Heimleiter Dirk Ruschitzka (rechts) den symbolischen Schlüssel für die Wohnstätte "Wohnen im Park".
Offizielle Einweihung: Architekt Andreas Steinmeier, der die Utluchten als aus der Weserrenaissance bekanntes regionaltypisches Element in seinen Entwurf übernommen hatte, übergab Heimleiter Dirk Ruschitzka (rechts) den symbolischen Schlüssel für die Wohnstätte "Wohnen im Park". |

"Dadurch haben sich die Lebens- und Integrationsbedingungen von Menschen mit psychischen Behinderungen erheblich verbessert", stellte Landrat Dr. Ralf Niermann zufrieden fest. Dass der Bedarf besteht, zeigte sich schon bei der inoffiziellen Inbetriebnahme des Hauses im Februar - nur ein Jahr nach der Grundsteinlegung Anfang 2009. "Nach zwei Wochen waren die 15 Plätze bereits voll belegt", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Pfarrer Paul Alexander Lipinski. Es habe regelrecht einen "Run" auf das "Mini-Heim" gegeben, so Geschäftsführer Hartmut Fuhrmann.

Der Landrat bewertete den innenstadtnahen Standort und die Konzeption der Einrichtung als richtungsweisend. Denn neben seinen bisherigen ambulant betreuten Wohnformen richtet der Club 74 "Wohnen im Park" als Baustein eines übergreifenden Wohnverbundes ein, der ambulante und stationäre Hilfe zum selbstständigen Wohnen systematischer verbindet und Übergänge erleichtert - je nach dem individuellen Betreuungsbedarf.

Dies sei ein Meilenstein, sagt die Landtagsabgeordnete Inge Howe als Vertreterin des Landes Nordrhein-Westfalen, das ein Darlehen von 478 000 Euro gewährt hat. Auf zwei Etagen leben sieben und acht Personen in zwei Wohngruppen. Besonders begrüßte Howe die Einrichtung eines Gästezimmers für Krisenfälle. Ein vorübergehender "Tapetenwechsel" könne Psychischkranken ohne Bedarf einer stationären Unterbringung helfen und ihre Angehörigen und Familien entlasten.

"Eine Einrichtung wie diese hätten wir uns schon vor 20 Jahren gewünscht", sagte Dr. Heinz Freigang von der Psychiatrischen Klinik in Lübbecke. Seinerzeit habe es Probleme gegeben, Patienten in geeigneten Heimen unterzubringen, weil es meist nur Plätze in Altenheimen gegeben habe. Für das Konzept von "Wohnen im Park" stellte er fest: "Wir brauchen solche Einrichtungen sehr dringend - auch in Zukunft."

Fuhrmann hob hervor, dass von den geplanten Kosten in Höhe von 1,455 Millionen Euro nur um maximal fünf Prozent abgewichen werde. Noch sind die Außenanlagen zu erstellen. Neben den Landesmitteln kommen 230 000 Euro von der Stiftung Wohlfahrtspflege und 210 000 Euro vom Kapitelmarkt. Bei der Aktion Mensch ist ein Zuschuss von 349 000 Euro beantragt. Der Rest stammt aus Eigenleistungen.

Die Fassadengestaltung weist in Anlehnung an die Weserrenaissance regionaltypische Utluchten auf, wie Architekt Andreas Steinmeier von der Planungsfirma Baukunst betonte, als er den symbolischen Schlüssel an Heimleiter Dirk Ruschitzka übergab.

Bürgermeister Michael Buhre ging auf Bürgerproteste aus der Nachbarschaft ein (MT vom 28. April). "Der eine oder andere Baum musste weichen. Das war nicht rechtswidrig", sagte das Stadtoberhaupt. Die Wohnstätte sei "ein Stück soziale Infrastruktur". Buhre: "Eine tolle Sache auch für die Stadt Minden."

Quelle: MT vom 28.04.2010

 

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