SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Saftige Beitragserhöhung bei den PKV-Riesen

Veröffentlicht am 15.11.2010 in Bundespolitik

knipseline/pixelio.de

Die schwarz-gelbe Gesundheitsreform geht zulasten der gesetzlich Versicherten: Höhere Beiträge und kleine Kopfpauschale scheinen die Private Krankenversicherung als Alternative attraktiver zu machen – für diejenigen, die es sich leisten können. Aber der Wechsel könnte teuer werden. Denn viele Privatversicherer wollen drastisch die Prämien erhöhen.

Nachdem Schwarz-Gelb ihre Gesundheitsreform durch den Bundestag gepeitscht hat, kann sich die Private Krankenversicherung (PKV) Schätzungen zufolge im kommenden Jahr über rund 40.000 neue Privatpatienten aus den Reihen der gesetzliche Versicherten freuen. Klientelpolitik vom Feinsten: Die gesetzlichen Krankenkassen müssen höhere Beträge hinnehmen und werden durch den Zusatzbeitrag unattraktiver für Gutverdiener, die nun schneller wechseln können. Die PKV versicherte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass ihre Beiträge nicht steigen werden. Doch, sie werden.

Nach einer Umfrage von „Spiegel Online“ steigen bei allen der 15 größten Anbietern privater Vollversicherung die Beiträge. Die Höhe des Zuschlags schwankt zwar zwischen Mini-Werten um die 0,5 Prozent und satten sieben Prozent, doch insbesondere bei den großen privaten Krankenkassen müssen die Beitragszahler deutlich mehr zahlen.

Bis zu sieben Prozent mehr

Am schlechtesten sind die Versicherten der DKV dran: Die zweitgrößte private Krankenkasse erhöht ihre Beiträge im Schnitt um 6 bis 7 Prozent. Der größte Anbieter, die Debeka, verteuert die Prämien nur für die Angestellten - und zwar um 5 bis 7 Prozent, wie die Umfrage ergab. Die Tarife für Beamte bleiben dagegen unangetastet. Die Staatsdiener müssen sich höchstens zu 50 Prozent selbst versichern - die übrigen Krankheitskosten erstattet ihnen ihr Arbeitgeber über die Beihilfe. Axa-Versicherte werden mit Beitragserhöhungen von durchschnittlich 5,5 Prozent deutlich stärker zur Kasse gebeten. Damit ist die Axa das einzige befragte Unternehmen, das 2011 mehr auf die Prämien draufschlagen wird als 2010.

Der Ruf aller anderen Privatversicherer, dass ihre Versicherten vor einer ähnlich deftigen Erhöhung wie zu Jahresbeginn 2010 verschont bleiben, ist im Hinblick auf den 1. Januar 2011 allenfalls eine Verharmlosung. So zeigen Langzeitstudien, dass die Prämien der privaten Anbieter im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr steigen.

2200 Euro monatlich für die Krankenversicherung?

Eine Aufwärtsspirale, die dazu führt, dass selbst Gutverdiener ihre Erste-Klassen-Absicherung kaum mehr bezahlen können. „Ein heute 30-Jähriger, der 4500 Euro brutto im Monat hat und 300 Euro Prämie für seine private Krankenversicherung zahlt, müsste bei einer jährlichen Anpassung um sechs Prozent mit 65 Jahren fast 2200 Euro Beitrag im Monat zahlen“, rechnet  „Spiegel Online“ vor.
 
Diese Zahlen verheißen alles andere als eine sichere Flucht tausender gesetzlich Versicherter, die aus Furcht vor höheren Beiträgen und Vorkasseregelung in die PKV wechseln wollen. Auch wenn Gesundheitsminister Philipp Rösler mit seiner Gesundheitsreform der PKV bestens in die Hände gespielt hat, bestätigen die Lockrufe in Form von Werbebotschaften wie „Ich will versichert werden und nicht verunsichert“ (DKV) ganz und gar nicht das, was die Lobby damit suggeriert.
 
Es ist nicht das einzige Beispiel für taktische Sprachführung seitens der PKV. So verkündete Volker Leienbach, Vorstand der privaten Krankenversicherer (PKV), erst Ende Oktober seine Einschätzung, nach der die vorhandenen Zinseinnahmen problemlos ausreichen würden, sodass keine Beitragserhöhungen zu befürchten seien.

 

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