SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Ökonomen fordern mehr Kitas und Ganztagsschulen

Veröffentlicht am 16.11.2010 in Bundespolitik

Angelina Ströbel / pixelio.de

In ihrer Zeit als Familienministerin schwärmte Ursula von der Leyen bereits von der neuen Lust am Kind. Die nun vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen sprechen eine andere Sprache. Ökonomen fordern jetzt erst recht den Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen.

Noch nie kamen in Deutschland so wenige Babys zur Welt. Im vergangenen Jahr waren es nur rund 665 000 Kinder, etwa 17 000 weniger als im Vorjahr.
Die Zahl der Geburten in Deutschland ist auf ein Rekordtief gesunken. 665 000 Kinder im Jahr 2009 sind nicht einmal halb so viele wie im Geburten-Rekordjahr 1964. Dies berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden.

Die Statistiker sehen zwei Ursachen: Erstens bekommen Frauen heute weniger Babys als in früheren Jahrzehnten. Zweitens ist die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter deutlich gesunken. Dies sind laut Statistik Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahre. Auffällig ist auch, dass Frauen später Kinder bekommen als noch 2001. So bekommen heute die 30- bis 34-Jährigen die meisten Kinder.

Insgesamt bringen Frauen nach der neuen Statistik in Deutschland im Laufe ihres Lebens im Schnitt 1,36 Kinder zur Welt. 2008 waren es 1,38, ein Jahr zuvor 1,37.
Ökonomen warnen jedoch vor der Überinterpretation einzelner Jahresergebnisse. „Wenn wir die Gesellschaft mit langfristigen Programmen kinderfreundlicher machen, wird das vielleicht in zehn Jahren zu einem Erfolg führen“, sagte Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dem „Handelsblatt“. Was er meint, ist nicht nur der Ausbau von Kitas und Krippen für die Kleinsten, sondern auch eine flächendeckende Betreuung der Schulkinder. „Unser Schulsystem setzt immer noch voraus, dass Eltern zu Hause mithelfen“, so Zimmermann. Finanzierbar wäre ein solcher Ausbau mit der Abschaffung des Ehegattensplitting, das jährlich rund 30 Milliarden Euro kosten.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hält trotz des Geburten-Rekordtiefes keine Korrekturen der Familienpolitik für erforderlich. Dem „Wiesbadener Kurier“ (Samstag) sagte Schröder: „Mit unseren Familienleistungen, wie dem Elterngeld und dem Kinderzuschlag sind wir auf dem richtigen Weg“. Der Erfolg werde sich aber erst nach Jahren in der Statistik niederschlagen. Zudem zeigten die aktuellen Zahlen, dass trotz der Verunsicherungen durch die Krise die Geburtenrate nicht drastisch abgesackt sei. Schröder: „Wir wissen, dass sich die Menschen wieder mehr Kinder wünschen. Das ist ein positives Signal.“
Ein massiver Ausbau, wie es auch die SPD fordert, ist laut Zimmermann auch deswegen unverzichtbar, weil der Fachkräftemangel in der Wirtschaft drängt und die Frauen dringend gebraucht würden – „und zwar nicht nur für Teilzeitjobs“.

 

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