Pflegekräfte bleiben weiterhin ausgesperrt / Verdi wirft Geschäftsführer ein Verhalten „nach Gutsherrenart“ vor
Bad Salzuflen (mah/gär). Mit einer Kundgebung vor der Klinik und einem Demonstrationszug durch die Bad Salzufler Innenstadt haben rund 80 Mitarbeiter der Lippischen Nervenklinik (LNK) Dr. Spernau sowie Kollegen aus benachbarten Krankenhäusern gegen eine Aussperrung protestiert. Wie berichtet, untersagt die LNK seit Donnerstag 29 bislang streikendenKankenschwestern und -pflegern, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Mit dem seit dreieinhalb Monaten dauernden Arbeitskampf wollen die Beschäftigten Verhandlungen um einen Haustarif erreichen.
Geschäftsführer Alexander Spernau begründete die Aussperrung mit dem von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi angekündigten „dynamischen Streik“. So habe es Anfang Juli eine Pause vom Streik gegeben, ehe er wieder aufgenommen worden sei. Verlässliche Dienstpläne für seine übrigen „engagiert arbeitenden Mitarbeiter“ zu erstellen, sei deswegen unmöglich. Daher habe er sich bis auf Widerruf zur Aussperrung entschlossen. Er bedauere sehr, dass der Betriebsrat bislang jedes Gesprächsangebot ablehne und auf die Gewerkschaft verweise. Verdi sei allerdings nicht sein Ansprechpartner.
Verdi-Sekretär Volker Hoppmann unterstellt Spernau ein Verhalten „nach Gutsherrenart“. Seine Leiharbeiter, mit denen der Klinikbetrieb aufrechterhalten wird, seien unzureichend qualifiziert. Dies wies die examinierte Krankenpflegerin Susanne Bode zurück. Sie und ihre Kollegen seien professionell ausgebildet. Der lippische Landrat Friedel Heuwinkel bedauert die Tarifauseinandersetzung. Der Kreis werde sich in den Streit jedoch nicht einmischen. Die LNK übernimmt die Versorgung psychisch Kranker für einen Teil Lippes seit Jahrzehnten, es gebe keinen Grund, die Verträge infrage zu stellen. „Wichtig für uns ist, dass die Versorgung der Kranken gewährleistet ist. Und das ist sie.“ Das Gesundheitsamt habe bei Kontrollen nichts Gegenteiliges feststellen können. „Wenn ein Patient sagt, er werde nicht entsprechend behandelt, dann kann er selbstverständlich in eine andere Klinik wechseln.“ Inge Howe (SPD), Vorsitzende des Landtags-Petitionsausschusses, kündigte an, die Vorgänge würden jetzt auch den Landtag beschäftigen: „Hier müssen endlich Tarifverhandlungen aufgenommen werden“, forderte sie. Ähnlich äußerte sich ihr Partei- und Fraktionskollege Günter Garbrecht: Er hat Zweifel, dass in der Klinik nun der Versorgungsauftrag hinreichend wahrgenommen wird. Der Landesschlichter habe bereits angeboten, zu vermitteln. Spernau habe dies jedoch abgelehnt.
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Paderborner Kreiszeitung, Samstag 01. August 2009