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Politik mit Herz

Heimische Abgesandte in Berlin: "Spannender Präsidenten-Wahlmarathon"

Veröffentlicht am 02.07.2010 in Presse

Vier Wahlleute aus dem Kreis Minden-Lübbecke berichten über die Stunden der Entscheidung in Berlin

Minden (kaf). Fast neun Stunden dauerte es, bis der neue Bundespräsident Christian Wulff gewählt war. Vier Wahlleute aus dem Kreis Minden-Lübbecke waren dabei.

"Ein sehr spannendes Erlebnis, aber ein Wahlgang weniger hätte auch gereicht", sagt Landtagsabgeordneter Kai Abruszat (FDP), der am Mittwoch als Erster dreimal an die Wahlurne treten durfte.

Viele Wahlmänner und -frauen mussten eine weitere Nacht in ihren Hotelzimmern in Berlin buchen. "Das zeigt, dass niemand mit einem so langen Wahlakt gerechnet hat", sagt Abruszat. Die Wahl von Christian Wulff sei keine Überraschung gewesen, aber mit dem ersten und zweiten Wahlgang hätten die Abgeordneten der Union Angela Merkel einen Denkzettel verpassen wollen.

"Die Wahlmänner und -frauen der FDP waren sich hingegen einig." Bis auf vier Wahlmänner hätten alle geschlossen hinter dem Kandidaten Wulff gestanden. Am Tag vor der Bundesversammlung wurde in einer Fraktionssitzung offen über die Wahl diskutiert. Die vier Wahlmänner der FDP hätten transparent ihre Gründe vorgetragen, warum sie Gauck wählen wollten, sagt Abruszat. Er habe Wulff am Tag vor der Wahl persönlich kennengelernt. "Das hat mich in meinem Wahlverhalten bestätigt."

Steffen Kampeter, Bundestagsabgeordneter (CDU), freut sich, dass Christian Wulff Bundespräsident geworden ist. "Er steht für ein modernes aufgeklärtes Deutschland." Kampeter war zum fünften Mal bei einer Bundespräsidentenwahl dabei. "Als Roman Herzog gewählt wurde, brauchten wir auch drei Wahlgänge, bis er schließlich Bundespräsident war." Zur Kritik an Bundeskanzlerin Merkel, sagt er: "Das war Hysterie, die gab es auch bei der Wahl zwischen Gesine Schwan und Horst Köhler."

Inge Howe, Landtagsabgeordnete (SPD), war über den langen Wahlakt überrascht: "Man hatte damit gerechnet, dass Wulff im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit bekommt." Jeder weitere Wahlgang habe die Hoffnung gestärkt, dass Gauck ein gutes Ergebnis bekommt.

Kreislaufkollaps während der langen Wartezeit

Die Linken seien "das Zünlein an der Waage gewesen", so Howe. "Nach dem zweiten Wahlgang kam es darauf an, wie sich die Linken entscheiden. Es war sehr spannend. Da war ein Knistern in der Luft." Die Partei zog ihre Kandidatin Jochimsen zurück. Es sei ungewöhnlich gewesen, dass die Linken sich als Partei nicht vorher abgesprochen hatten und zwei Stunden diskutieren mussten. "Dass sie sich dann komplett enthalten haben, ist ein Verhalten, das nicht nachvollziehbar ist." So hätten die Linken indirekt für Wulff gestimmt, sagt Howe.

Sie gratuliert dem neuen Präsidenten dennoch, denn "er wird unser aller Präsident sein." Es sei ein tolles Erlebnis gewesen, bei der Wahl dabei zu sein.

Einzig die Hitze machte den Wählern etwas zu schaffen. Da niemand mit einem derart langen Wahlakt gerechnet habe, sei das Mineralwasser ausgegangen und die SPD habe Leitungswasser ausschenken lassen, so Howe. "Wenn man lange Sitzungen gewohnt ist, kann man das aber ertragen", meint Abruszat (FDP).

Ein Wahlmann der SPD habe einen Kreislaufkollaps erlitten und musste ins Krankenhaus. "Die Ärztin checkte ihn schnell durch und schickte ihn zurück mit der Bemerkung, dass er Gauck wählen müsse", erzählt Howe. Mit Beginn des dritten Wahlgangs gegen 19 Uhr sei das Buffet eröffnet worden. Howe, die zuletzt um 8.30 Uhr gefrühstückt hatte, freute das sehr. "Es gab zwar zwischendurch Muffins und Kuchen, aber die waren sofort ausverkauft."

Auch Friedhelm Ortgies, Landtagsabgeordneter (CDU), ist erfreut über den Wahlausgang. "Christian Wulff wird ein hervorragender Präsident sein." Merkel habe in einer Fraktionssitzung gesagt, es sei das erste Mal, dass das Schloss Bellevue von Kinderlachen durchdrungen wird, berichtet Ortgies. Auch er findet es toll, dass Wulff mit seinen Kindern einzieht. Die Wahl sei ein mühsamer Akt gewesen, der erst um 21 Uhr endete. "Die Wahl hat demokratisches Bewusstsein gezeigt: Die Bundesversammlung wurde mit großem Beifall von allen Fraktionen beendet."

Quelle: MT-online vom 02.07.2010

 

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