Hille (mt). Klaus-Hermann Pörtner wurde nach achtjähriger Amtszeit als Beigeordneter der Gemeinde Hille nicht wiedergewählt und ist nun im Ruhestand. Sein Rückblick auf diese Zeit zeigt, warum es angenehmer für ihn gewesen wäre, wenn er mit dem Bürgermeister immer einer Meinung gewesen wäre.
Hat es im Rathaus eine Abschiedsfeier für Sie gegeben?
Nein, das hätte nicht zur Situation gepasst. Ich war in den letzten drei Jahren mehr oder weniger isoliert im Rathaus, da wäre es verlogen gewesen, so zu tun, als sei alles in Ordnung.
Sind Sie darum froh, dass Ihre Dienstzeit in der Gemeinde Hille vorbei ist?
Sicher, denn dieser Schwebezustand war anstrengend. Mein Aufgabengebiet war auf ein Minimum geschrumpft. Das letzte halbe Jahr habe ich nicht einmal mehr Post auf den Schreibtisch bekommen. Auch wurde ich als stellvertretender Verwaltungschef nicht mehr über Abwesenheiten des Bürgermeisters informiert. Ich wusste nicht, wann er Urlaub hatte, krank oder auf Dienstreisen war.
Wie fühlen Sie sich als frischgebackener Pensionär?
Ich hätte gerne noch weitergearbeitet, denn mit 57 Jahren bin ich noch relativ jung. Vor allen Dingen angesichts der Tatsache, dass das Renteneintrittsalter nun bei 67 Jahren liegt. Meine Zwangspensionierung kommt die Gemeinde zudem teuer zu stehen, denn sie muss für jeden ihrer Rentner in die Pensionskasse einzahlen. Das sind Steuergelder, die man besser einsetzen könnte.
Im Jahr 1993, als Sie als stellvertretender Gemeindedirektor in die Gemeinde Hille kamen, sah es noch ganz anders aus. Waren die guten Jahre vorbei, als Sie sich 1999 zum Beigeordneten wählen ließen?
Nein, der Bürgermeister hat die Entscheidung akzeptiert. Bis 2004 war es eine fruchtbare Zusammenarbeit, auch wenn ich seinen Führungsstil nicht als kooperativ beschreiben würde.
Sie hätten auch stellvertretender Gemeindedirektor bleiben können.
Die Entscheidung war kein Fehler. Ein Beigeordneter hat nach der Gemeindeordnung einen eigenen Geschäftsbereich, für den er zuständig und verantwortlich ist. Der Gemeinderat hat leider die Festlegung meines Geschäftsbereichs nicht vorgenommen, sondern dies dem Bürgermeister überlassen. Mich haben die neuen Aufgaben und Herausforderungen gereizt. Außerdem hätte die CDU bei einem Sieg bei der Kommunalwahl - den sie dann ja auch einfuhr - selbst einen Beigeordneten wählen können. Meine Stelle wäre weggefallen. Insoweit war meine Entscheidung auch eine Art Existenzsicherung.
Welche Ämter unterstanden Ihnen?
Bis 2004 das Hauptamt mit Schul-, Kultur- und Personalamt sowie das Ordnungsamt. Außerdem war ich ordentliches Mitglied in den Kindergartenausschüssen, in Wasserverbänden, in der Verbandsversammlung der Volkshochschule und des Kommunalen Rechenzentrums.
Im Herbst 1999 hatten Sie auch Ambitionen, als Bürgermeisterkandidat der SPD bei der Kommunalwahl anzutreten.
Ja, Anfang des Jahres 1999 kam der Vorschlag aus den Reihen der SPD. Die Idee hat mir gefallen.
Warum haben Sie dann die Kandidatur zurückgezogen?
Der Gemeindedirektor und jetzige Bürgermeister hat von dienstlichen Konsequenzen gesprochen, falls er die Wahl gewinnt. Beispielsweise von einer Beschneidung meiner Zuständigkeiten in der Verwaltung. Diese seinerzeit angekündigten Konsequenzen hat der Bürgermeister ja ab 2004 schrittweise umgesetzt.
War Ihr Rückzug nicht ein Zeichen von Schwäche?
Nein, unter diesen Umständen war er notwendig, um bei einer Wahlniederlage nicht ins berufliche Abseits zu geraten.
Wie war nach der Kommunalwahl 1999 die Beziehung zwischen Ihnen und dem Bürgermeister?
Sie hatte sich weitgehend normalisiert. Allerdings ist er ein nachtragender Mensch, so dass ich manche Vorgänge nicht erfahren habe und mir Informationen vorenthalten wurden.
Dann kam die Kommunalwahl 2004, und Sie haben Ernst gemacht mit ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Warum?
Bürgermeister Reinhard Jasper hat mir 1999 nach seiner ersten Wahl erklärt, dass er nicht erneut für dieses Amt in 2004 kandidieren würde. Darum wollte ich die Herausforderung annehmen, um dann als Bürgermeister andere Akzente zu setzen. Bei einer Wahlniederlage hatte ich weiterhin auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister im Interesse der Gemeinde gehofft.
Doch es kam nach der Kommunalwahl und Ihrer verlorenen Wahl anders.
Meine Aufgabenbereiche wurden vom Bürgermeister beschnitten, ich musste das Hauptamt abgeben, verlor meine Sitze in den nicht-kommunalen Gremien und wurde auch nicht mehr zu allen Sitzungen und Besprechungen, die meinen Dezernatsbereich betrafen, eingeladen.
Das persönliche Verhältnis zwischen Ihnen und dem Bürgermeister . . .
. . . hatte sich stark abgekühlt. Er deutete meine Kandidatur als Illoyalität gegenüber dem Chef, für mich dagegen war es einfach ein Stück Demokratie. Ich wurde in der Verwaltung systematisch kaltgestellt bis hin zur Isolation, erhielt auch keine repräsentativen Außentermine mehr. Dagegen war ich wehrlos. Da hätte ich mir durchaus mal Unterstützung durch die Fraktionen im Rat gewünscht.
Als sich im Laufe diesen Jahres abzeichnete, dass Sie angesichts der absoluten CDU-FDP-Mehrheit im Gemeinderat als Beigeordneter nicht mehr wiedergewählt werden würden, wurden da die Zügel noch straffer gezogen?
In den letzten sechs Monaten gab es kaum noch Arbeit für mich. Nichts mehr, was ich hätte bearbeiten oder entscheiden können, keine interne Kommunikation.
Hatten Sie trotz aller berechtigten Befürchtungen doch noch Hoffnung, wiedergewählt zu werden?
Ich habe zwar im Vorfeld von Ratsmitgliedern mehrerer Fraktionen positive Signale bekommen, doch im Grunde genommen habe ich mit meiner Abwahl gerechnet. Alles andere wäre ein riesige Überraschung gewesen.
Wenn Sie hätten Beigeordneter bleiben können . . .
. . . dann hätte ich die Ratsmehrheit hinter mir gehabt, was mir wiederum das Recht gegeben hätte, Forderungen zu stellen. Beispielsweise über die Aufgabenverteilung und meine Kompetenzen.
Die Zeit seit 2004 war keine angenehme. Woraus haben Sie die Kraft geschöpft durchzuhalten?
Die Partei und die Altvorderen der SPD haben mich mit Ratschlägen unterstützt. Und natürlich war da auch noch zu Hause meine Familie. Es waren schlimme Jahre, und ich bin froh, dass eine Entscheidung gefallen ist, wenn auch gegen mich.
Haben Sie bei Ihren Entscheidungen Fehler gemacht?
Sicherlich. Wer ist schon fehlerfrei?
Ihr Stolperstein war der Bürgermeister. Können Sie trotzdem noch mit Sympathie an ihn denken?
Es fällt mir schwer. Er hat natürlich seine guten Eigenschaften, ist großzügig und kümmert sich um seine Mitarbeiter, wenn sie seine Ansichten und Argumente ständig teilen. Ich habe ihn aber auch als jemanden kennen gelernt, dem es an Demokratieverständnis mangelt, der Macht und Einfluss über Fairness stellt und der mit zwei Zungen spricht. Matthias Claudius hat gesagt: Urteile von einem Menschen lieber nach seinen Handlungen als nach seinen Worten, denn viele handeln schlecht und sprechen vortrefflich.
Wie geht es nun mit Ihnen weiter?
Beruflich zur Ruhe setzen will ich mich noch nicht. In den nächsten Monaten gönne ich mir eine schöpferische Pause, dann sehen wir mal weiter.
Werden Sie vielleicht 2009 wieder als Bürgermeisterkandidat der SPD antreten?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Auf jeden Fall hat mir der Wahlkampf in 2004 Spaß gemacht, das war eine gute Erfahrung.
MT