SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Ausgrenzung vermeiden

Veröffentlicht am 25.09.2012 in Stadtverband

Foto: Jens Vogel/SPD Minden-Lübbecke

Prof. Wilhelm Heitmeyer spricht über Rechtsextremismus

Bad Oeynhausen. Wie entsteht rechtsradikales Gedankengut? Und wie kann man Menschen zu einer anderen Sichtweise bringen? Mit dieser Frage kamen etwa 60 Zuhörerinnen und Zuhörer zum Forum „Wiehen-Gespräche“. Eine Veranstaltung der SPD Stadtverbände Bad Oeynhausen und Hille. Doch Referent Prof. Wilhelm Heitmeyer ging viel mehr auf die Frage ein, warum rechtsradikale Gruppen für Jugendliche attraktiv sind, die sich sonst gar nicht für Politik interessieren.

„Das Problem ist viel tiefgängiger“, erklärt der Professor, der an der Universität Bielefeld das Institut für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung leitet, „es geht nicht um Parteiprogramme sondern viel mehr um das Bedürfnis nach Anerkennung.“

Ausgrenzung aus der Gesellschaft ist für ihn der Auslöser, dass Jugendliche auf andere Wege Bestätigung suchen. „In solchen Gruppierungen finden sie Bestätigung, und werden dann automatisch ist die Szene geführt, ohne das beabsichtigt zu haben.“

Die Debatte um Rechtsextremismus wird häufig zu simpel geführt, mahnt der Experte. Denn es gehe nicht nur um Fremdenfeindlichkeit, sondern auch um die Abwertung von Behinderten, Obdachlosen oder auch Frauen. Heitmeyer: „Je größer das Anerkennungsdefizit einer Person ist, je stärker wertet sie andere Gruppen ab.“

Dies sei aber nicht nur ein Problem bei rechten Gruppierungen, „das fängt schon auf der Familienfeier an. Nach dem dritten Bier lässt einer einen Spruch über Ausländer los und so beginnt der Teufelskreis.“ Denn schnell werden solche Aussagen und Standpunkte normalisiert und es entsteht eine Art „Schweigespirale.“

Hier müsse jeder ein Gespür entwickeln, wie er in seinem Umfeld solche Gedanken stoppen kann.

In kleinen Gemeinden sei die Entwicklung teilweise besonders dramatisch, „denn hier gibt es keine alternativen Freundeskreise“, erklärt der Professor, „man kann nicht so einfach aus seinem sozialen Umfeld aussteigen.“

Eine allgemeingültige Lösung gibt es laut Heitmeyer nicht, „es ist auch schwierig Menschen von ihrem Standpunkten abzubringen, wir können aber verhindern, dass immer mehr Jugendliche in die Kreise rechter Gruppen gezogen werden. Das kann man nicht erreichen, wenn man nur Geld investiert.“

Sven Berger, Stadtverbandsvorsitzender der SPD Bad Oeynhausen findet das Thema sehr wichtig und freut sich über das Interesse der Zuhörer, „auch wenn das Thema hier nicht ganz so brisant scheint, sollten wir immer wachsam sein.“

Ulrike Grannemann Gemeindeverbandsvorsitzende aus Hille bezeichnete den Vortrag als aufrüttelnd: „Ich denke jeder ist jetzt umsichtiger, denn extreme Ansichten beginnen immer im Kleinen.“

Bildunterschrift:
Sven Berger (SPD Bad Oeynhausen), Wolfgang Spanier, Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Robin Niermann (SPD Hille) & Ulrike Grannemann (SPD Hille)

Quelle: NW vom 21.09.2012

 

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