SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Aufschwung geht an junger Generation vorbei

Veröffentlicht am 20.10.2010 in Bundespolitik

Matthias Balzer / pixelio.de

Praktika, Leiharbeit und befristete Jobs. Auch nach der Wirtschaftskrise dominieren prekäre Arbeitsverhältnisse die Lebens- und Arbeitssituationen von jungen Arbeitnehmern. Das ist das Ergebnis einer Studie [PDF, 426 kB] der IG Metall. Sie warnt, der Aufschwung gehe an der jungen Generation vorbei.

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Erwerbstätigen unter 25 Jahren arbeitet in prekären Arbeitsverhältnissen. Damit werden die Zahlen des Krisenjahres 2009 um neun Prozentpunkte übertroffen. Bei den Erwerbstätigen unter 35 Jahren sind 30 Prozent befristet beschäftigt. Dies zeigt eine im September 2010 im Auftrag der IG Metall durchgeführte, repräsentative Befragung.

Prekarisierung der jungen Generation steigt


„Im wirtschaftlichen Aufschwung werden die Jungen abgehängt und im Erwerbsleben an den Rand gedrängt. Der Aufschwung geht an der jungen Generationen vorbei“, stellt der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel fest. Er verweist darauf, dass die Prekarisierung der jungen Generation auf hohem Niveau auch nach der Krise weiter ansteigt. Damit werde sie zur „entscheidenden strukturellen Erfahrung".

Dies zeige sich insbesondere am hohen Anteil befristeter Stellen. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der befragten jungen Erwerbstätigen gab an, im bisherigen Berufsleben nur befristet beschäftigt gewesen zu sein. Ein Fünftel der Beschäftigten unter 35 arbeitet in Teilzeit, obwohl bei der Mehrheit der Wunsch nach einer Vollzeitstelle besteht.

Auch der häufig in Aussicht gestellte "Klebeeffekt", wonach Leiharbeit zur Übernahme führt, bleibt demnach eine Ausnahme und hat sich gegenüber dem Vorjahr noch verschlechtert.

Aus- und Weiterbildung fördern


Mit Blick auf die Debatte um Fachkräftemangel und Zuwanderung kritisiert der Gewerkschafter, dass Fachkräftepotentiale durch Aus- und Weiterbildung nicht hinreichend genutzt würden. "Hauptschulen versagen, Unternehmen verweigern Aus- und Weiterbildung und die Bundesagentur verwaltet die Jungen anstatt sie zu fördern."

Wetzel mahnt: Politik, die die Entfaltungsmöglichkeiten und Perspektiven der jungen Generation derart stiefmütterlich behandle, gefährde die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und führe in eine zweite Bildungskatastrophe.

Politik muss Zukunftschancen verbessern


"Es ist Aufgabe der Politiker und Unternehmer, die Zukunftschancen der Jungen zu verbessern", fordert Wetzel. So zeigten die Ergebnisse der Studie [PDF, 426 kB] deutlich, dass die Befragten beispielsweise von der Politik eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (89 Prozent) sowie die Einführung von Mindestlöhnen (82 Prozenten) und die Begrenzung der Leiharbeit (71 Prozent) erwarten.

Mehr zum Thema:
Beschluss: Fairness auf dem Arbeitsmarkt [PDF, 174 kB]

 

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