SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Unis in der Chaos-Falle

Veröffentlicht am 05.01.2011 in Bundespolitik

Peter von Bechen / pixelio.de

Im Herbst droht ein Zulassungs-Chaos an den deutschen Hochschulen. Nicht zuletzt aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht drängen so viele an die Hochschulen wie nie. Hinzu kommen ungeklärte Details beim neuen Vergabesystem. Die SPD-Bildungspolitikerin Ulla Burchardt fordert Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auf, endlich ihre Kompetenzen wahrzunehmen.

Es gibt ein neues Internet-System bei der Dortmunder Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Es ist technisch auch einsatzbereit, doch nun steht ein Streit über die Folgekosten ins Haus, der alles blockiert. 15 Millionen Euro hat sich der Bund die Entwicklung des Bewerbungssystems via Internet für die begehrten Numerus-Clausus-Fächer Kosten lassen. Mehrfachzulassungen von Studienplatzbewerbern an verschiedenen Hochschulen – und damit die Blockade begehrter Studienplätze – sollten nun endlich der Vergangenheit angehören.

Einige Länder wollen nicht zahlen

Doch „das alljährliche unwürdige Chaos bei der Einschreibung der Erstsemester geht weiter, solange sich die Bildungsminister von Bund und Ländern vor einer klaren Finanzregelung drücken“, prophezeit Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Hintergrund: Einige Länder wollen die Hochschulen für die Vermittlung zahlen lassen. Doch die Hochschulrektoren halten dagegen, dass sie nur unter der Prämisse der Kostenfreiheit ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dem neuen System signalisiert hätten.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die Entwicklung des neuen dialogorientierten Bewerbungssystem unter strengen Auflagen bewilligt: „Wir wollten Bürokratieabbau, Information für die jungen Menschen, Zulassungs-Service und die Überprüfung von Zeugnissen und Unterlagen aus einer Hand“, erklärt Burchardt. Nun steht ein Start mit erheblichen Einschränkungen bevor.  Zwar soll ab Herbst bei den Bewerbern ein Datenabgleich stattfinden, doch die angestrebte zentrale Überprüfung wird es wohl nicht geben.

450.000 Studienbewerber – so viele wie noch nie


Das Scheitern einer raschen Einführung dieses Vollservice für Studienbewerber kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn zum Wintersemester 2011/2012 werden weit über 450.000 Studienbewerber erwartet – so viele wie nie zuvor. Der Grund: geburtenstarke Abiturjahrgänge, Schulzeitverkürzung bis zum Abitur und die Aussetzung der Wehrpflicht.

Es ist zu erwarten, dass viele Studienplätze begehrter NC-Fächer zum Semesterstart noch unbesetzt sein werden. Im vergangenen Jahr sollen es - nach einer Prüfung der Kultusministerkonferenz – noch Wochen nach Semesterbeginn mehr als 18.000 Plätze gewesen sein. Für Ulla Burchardt ein unhaltbarer Zustand: „Bundesbildungsministerin Annette Schavan kann das so nicht mehr länger laufen lassen. Sie muss endlich ihre Kompetenzen wahrnehmen.“

 

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