SPD Ortsverein Hille

Politik mit Herz

Rollis kommen nicht zum Zug

Veröffentlicht am 01.12.2007 in Presse

Aufzüge sind ausgefallen / Ortstermin des Petitionsausschusses im Dezember am Bahnhof Bad Oeynhausen

Um den Bad Oeynhausener Bahnhof macht Jens Tiemann am liebsten einen großen Bogen. "Wenn’s irgendwie geht, fahre ich von Minden aus", sagt der Rollstuhlfahrer. Denn in der Kurstadt kommen Rolli-Fahrer nicht zum Zuge. "Eine unhaltbare Situation", findet Gerhard Götsche, Vorsitzender des Freundeskreises der Rollifahrer. Er hat nun den Petitionsausschuss eingeschaltet.

Der wird sich Mitte Dezember bei einem Ortstermin selbst ein Bild vor Ort machen, wie die Ausschussvorsitzende Inge Howe gestern bestätigte. Die Landtagsabgeordnete aus dem Mühlenkreis kennt das Elend der Rollifahrer am Bad Oeynhausener Bahnhof schon: Mit dem Lastenaufzug kommen die Rollstuhlfahrer auf die Bahnsteige. "Wenn man denn mindestens drei Tage vorher bei der Bahn angerufen und sich angemeldet hat", sagt Wilhelm Brandt, Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt Bad Oeynhausen.

Und wenn der Aufzug denn fährt. Das ist derzeit nicht der Fall. Zur Zeit, so bestätigt die Bahn, sind die Aufzüge ausgefallen. "Bedauerlicherweise haben wir kein Ersatzangebot", so Bahnsprecher Peter Grundmann. Gleis 1 könne aber weiter erreicht werden.

Die Dienstzeit der Aufzüge neigt sich ohnehin dem Ende: Am 31. Dezember läuft ihre Betriebserlaubnis aus. Mehr hat der TÜV aus technischen Gründen nicht zugestanden.

Das war für Gerhard Götsche auch der Anlass, den Petitionsausschuss einzuschalten. "Man kann doch in Bad Oeynhausen nicht eine solche Vielzahl von Kliniken betreiben, und dann einen solchen gravierenden Mangel am Bahnhof haben", sagt Inge Howe. Seit 1999 verfolgt Wilhelm Brandt das Thema mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen schon. "Dass es immer noch keine Lösung gibt, ist ein Skandal", findet Howe.

Sie setzt auf die Kraft des Ortstermins. Da sollen sich Vertreter des Verkehrsministeriums, der Bahn und des TÜV selbst ein Bild machen. "Ich habe die Erfahrung gemacht: Das hilft", sagt Inge Howe.

"Wir hoffen, dass es dann eine vernünftige Lösung gibt", sagt auch Gerhard Götsche. In einer schlichten Verlängerung der Betriebserlaubnis für die Lastenaufzüge kann die nach seiner Meinung nicht liegen. "Das ist menschenunwürdig."

Für Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann aber doch die Zwischenlösung. "Wir wollen ja dasselbe wie Behindertenbeirat und Rollifreunde", sagte er gestern der NW. Für eine Übergangszeit setze er weiter auf die Aufzüge – womöglich auch mit Blick auf die Planungen zur "Neuen Mitte". Denn dieses Projekt sieht ja den Abriss des City-Centers und des Bahnhofes und die komplette Neugestaltung des Areals vor. "Ich bin optimistisch, dass wir in absehbarer Zeit eine gute und dauerhafte Lösung bekommen", so Mueller-Zahlmann. Wie die aussehen soll, könne er aber noch nicht sagen. "Wir sind da in Gesprächen mit der Bahn, und die ist Herr des Verfahrens". Bahnsprecher Grundmann teilte gestern mit: "Eine Neubeschaffung der Aufzüge ist in der Prüfung."

Quelle: Neue Westfälische - Oeynhausener Kurier vom 01.12.2007

 

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