"Stehe für absolute Offenheit und Respekt"

Veröffentlicht am 20.09.2009 in Ratsfraktion

MT-Interview: Bürgermeister Michael Schweiß über seinen neuen Arbeitsplatz und Umgang mit Rat und Belegschaft.

Hille-Hartum (mt). Die Gemeinde Hille hat einen neuen Bürgermeister. Vor etwa zwei Wochen bezog Michael Schweiß sein Büro im Rathaus.

Wie gefällt Ihnen Ihr neuer Arbeitsplatz? Werden Sie das Büro neu möblieren oder andere Veränderungen vornehmen?

Nein, ich bin vollkommen zufrieden mit dem, was ich vorgefunden habe. Wichtig sind mir ein funktionaler Arbeitsplatz mit einem rückenfreundlichen Stuhl und eine angenehme Atmosphäre für Besucher. Das alles passt hier. Ich bin in dieser Beziehung recht uneitel.

Und die kahlen Wände ...

An die Wände hänge ich noch Bilder, die für die Gemeinde Hille typisch sind. Beispielsweise Fotos vom Moor und von den Mühlen.

Ist Ihnen der Abschied von der Stadtverwaltung Vlotho, wo Sie Ihr ganzes Berufsleben verbracht haben, schwergefallen?

Ja, ganz sicher. Ich hatte ein lachendes und, im wahrsten Sinne des Wortes, ein weinendes Auge. Auf der einen Seite war die Vorfreude auf meine neue Aufgabe als Bürgermeister und auf der anderen Seite Wehmut. Ich habe dort Freundschaften geschlossen und mit sympathischen Kollegen zusammengearbeitet, mit denen ich auch mal ein Eis essen oder ein Bier trinken konnte. Es wird in Zukunft schwierig sein, bei der Distanz und dem zu erwartenden Zeitmangel die Kontakte im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten.

Haben Ihnen Ihre ehemaligen Kollegen etwas zur Erinnerung geschenkt?

Ich habe eine Karte mit meinem Foto vom Wahlkampf und den Unterschriften der ehemaligen Kollegen bekommen. Außerdem ein Foto mit einer Steinskulptur als Sinnbild für meine künftige Arbeit, das ich im Büro aufhängen werde.

Nochmals zurück zur Kommunalwahl am 31. August. Sie waren zu Hause, als der Anruf kam.

Mein Bekannter im Rathaus sagte nur "Mach dich auf den Weg". Da wusste ich, dass ich es geschafft hatte, und bin mit meiner Frau Anette nach Hartum gefahren.

Wie fiel Ihre erste Reaktion nach dem Anruf aus?

Ich war einfach sprachlos. Das war eine Mischung aus Freude, Erleichterung und Ungläubigkeit. Erst zwei Tage später habe ich dann erstmals richtig realisiert, dass mein Traum in Erfüllung gegangen ist und ich Bürgermeister bin. Jetzt weiß ich, wohin ich gehöre.

Und falls Sie nicht gewonnen hätten, dann ...

...wäre das natürlich eine Enttäuschung gewesen, doch als persönliche Niederlage hätte ich es nicht aufgefasst. So funktioniert schließlich Demokratie. Politisch hätte ich als Ratsmitglied weitergemacht, beruflich wäre ich Beamter in der Stadtverwaltung Vlotho geblieben. Vor der Rückkehr an meinen Schreibtisch hätte ich allerdings einige Tage Urlaub genommen, um mich von dem anstrengenden Wahlkampf zu erholen.

Wäre Ihnen dieser Schritt schwergefallen?

Nein, denn in Vlotho hatte ich einen interessanten Job, den ich gern gemacht habe.

Was haben Sie als erstes getan, als Sie am 4. September das Rathaus als Bürgermeister betreten haben?

Ich habe mich in meinem neuen Büro um die Computertechnik und die PC-Programme gekümmert. Dann bin ich in die Büros gegangen und habe mich vorgestellt.

Wie hat die Belegschaft reagiert?

Logischerweise erst einmal abwartend. Sie kennen mich nur als Kommunalpolitiker. Nun sind die Kollegen natürlich gespannt, wie ihr neuer Chef wirklich ist.

Gibt es eine "goldene Regel" für Ihre Personalführung?

Sie lässt sich ganz einfach fassen: Umgang auf Augenhöhe, gegenseitiger Respekt, jeder soll sich einbringen und Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz.

Können Sie Ihr zukünftiges Aufgabenfeld schon in Gänze überblicken?

Ja, ich weiß, was mich erwartet, denn in meiner Vlothoer Zeit war ich auch persönlicher Referent des Bürgermeisters. Ich habe mir vorgenommen, den überwiegenden Teil meiner Arbeitszeit in der Gemeinde Hille zu verbringen. Die Zahl der nebenamtlichen Tätigkeiten werde ich auf ein Minimum beschränken. In manchen Gremien bin ich allerdings qua Amt Mitglied. Geht es um eine freiwillige Mitgliedschaft, werde ich genau prüfen, ob und welche Vorteile sie für die Gemeinde bringt. Und natürlich werde ich auch in diesem Bereich Aufgaben delegieren.

Ihr Arbeitskonzept ähnelt vermutlich kaum dem Ihres Amtsvorgängers.

Ich stehe für absolute Offenheit und gegenseitigen Respekt. Das gilt sowohl für den Rat als auch die Verwaltung. Ich werde die Führungskräfte hier im Rathaus stark in meine Arbeit einbinden. Die gesamte Belegschaft genießt meine absolute Rückendeckung vor ungerechtfertigten Angriffen aus der Politik.

Wie stellen Sie sich die Arbeit im Gemeinderat und in den Fachausschüssen vor?

Ich möchte für eine Atmosphäre des parteiübergreifenden Miteinanders sorgen. Das Vertrauen zwischen den Parteien soll wieder wachsen, damit wir gemeinsam zum Wohl der Gemeinde arbeiten können. Ziel ist es, zweckdienliche Entscheidungen zu treffen, egal, aus welcher Fraktion eine Idee stammt. Verbale Entgleisungen werde ich nicht dulden, aber ich werde auch niemandem das Wort entziehen und auf die Geschäftsordnung pochen, so lange es nicht zum Stillstand oder Missbrauch einer Diskussion kommt.

Wie stehen die Dinge bei den Koalitionsverhandlungen?

Die Gespräche zwischen den Fraktionen laufen, aber Genaueres weiß ich nicht, denn als Bürgermeister beteilige ich mich nicht daran.

Gibt es eine Devise, mit der Sie in Ihren neues Amt starten?

Auch sie ist ganz simpel: Wir müssen vorausblicken und die Vergangenheit ruhen lassen. Es geht schließlich um die Zukunft der Gemeinde.

Wie kommt die Familie mit Ihrem neuen Status zurecht?

Für meine Frau und die beiden Söhne verändert sich nichts. Klar werden die Jungen in der Schule angesprochen, und zu Hause müssen sie Arbeiten übernehmen, die ich früher erledigt habe. Beispielsweise das Rasenmähen. Aber ansonsten gibt es keinen Grund für irgendwelche Veränderungen.

Sie verdienen nun mit B 3 ja mehr Geld als zuvor. Gönnen Sie sich etwas Besonderes vom ersten Gehalt als Bürgermeister?

Nein, ich war auch zufrieden mit dem, was ich vorher hatte. Aber halt ... ich brauche noch zwei neue Anzüge für meine repräsentativen Aufgaben.

Quelle: MT-Online vom 19. September 2009

 
 

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